Begleitet vom Applaus zog der Schulchor der Udo-Lindenberg-Mittelschule Mellrichstadt auf die Bühne und schmetterte zum Auftakt „Ein Hoch auf uns“, dirigiert von Kerstin Sauer und begleitet von Bastian Reukauf an der Gitarre, einem Schlagzeuger und Xylophon-Spielern.

Rektor Egon Bauß weiß, dass das seine letze Veranstaltung sein wird, bei der er so viele Zuhörer hat, sagte er. Viele „WiBs“ (wichtige interessante Bekannte), hieß er willkommen. Es sei immer wieder eine Freude, die jungen Menschen „so aufgehübscht“ zu sehen, sagte er.

Die Absolventen hätten gezeigt, was in ihnen steckt und haben Lerneifer und Zielstrebigkeit bewiesen, da sie ein Fundament für das weitere Leben geschaffen haben, so Bürgermeister Eberhard Streit. Dem Schulverband liege viel daran, dass die Mellrichstädter, die Streutaler und die Rhöner Jugendlichen einen guten Start ins Leben haben. Viele Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Konfessionen lernen zusammen, mehr als an irgendeiner anderen Schule in der Region. Bemerkenswert sei, wie die Schule das Miteinander organisiere und eine Gemeinschaft bilde, die zusammenwachse.

„Ihr habt heute Euren Führerschein erlangt. Fahren werdet Ihr in Zukunft noch lernen“, sagte Elternbeiratsvorsitzender Bernd Küchler. Mit „new age“ am großen schwarzen Flügel begeisterte Jessica Schreiner nicht nur ihre Mitschüler.

Rektor Egon Bauß hatte es beeindruckt, was die Schüler unter Leitung von Bernd Zeisberger an Texten für den vorangegangenen Gottesdienst ausgewählt hatten. Am meisten freue er sich, wenn er mit Christian Hemmert im Zimmer sitzt, jeder einzeln hereinkomme, voller Erwartung, ob bestanden oder nicht, dann der erlösende Schrei: „Wow, ja, geschafft.“ Unweigerlich kam der Vergleich mit dem Fußball und der Weltmeisterschaft. Eine wichtige Erfahrung dabei sei: man könne ganz schnell ein Held sein, gefeiert mit Applaus; man könne aber auch ganz schnell der Looser sein.

Eine lustige Einlage war die Fotostory der 9. und 10. Klassen über die Berlinfahrt.

Viele Jugendliche seien heute sehr teilnahmslos, lebten in der behüteten, beschützten Welt zwischen Handy und PC, sagte Konrektor Achim Libischer. Kaum etwas regt die Leute auf, dabei gebe es viele Themen wie Klima, Umwelt, Wälder, Hunger in der Welt. „Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Mohammad Alachmad, ein Schüler der P-Klasse, der erst seit einigen Jahren in Deutschland ist, bekannte am Rednerpult: In den ersten Jahren sei er zu frech gewesen; die Lehrer hätten sich um ihn bemüht. Dann kam das Lindenberg-Projekt, bei dem er mitgemacht habe, im Chor, dann bei Schule ohne Rassismus. Er stand auf der Bühne und machte Theater und ist in die Klasse von Achim Libischer gekommen, der ihm viel geholfen habe. Heute nun bedanke er sich bei den Lehrern und Mitschülern und bei Herrn Beck, der ihm nicht nur Deutsch beigebracht hat. Alle waren für ihn wie eine Familie. Was er sich gewünscht hat: dass seine Mutter da steht und sieht, was er gemacht hat. Dafür gab es großen Applaus.

Schülersprecherin Beatrix Kümmeth ließ die Schulzeit Revue passieren, darunter die 40-Jahr-Feier der Schule. Sie sprach das Lindenberg-Projekt 2016 und „Mutig gegen Rassismus“ 2017 an. Nicht nur Kollegium und Schülerzahl hätten sich verändert, auch die Unterrichtsfächer und die Ausstattung. 361 Schüler in 18 Klassen, die Schule wurde sehr bunt. Sie seien stolz, dass sie eine Schule ohne Rassismus und mit Courage geworden sind. Ein Dankeschön sagte sie den ausscheidenden Lehrern Helga Hohm, Helga Wirsching, Gabriele Hentschel und Birgit Schindler-Hohm. Ein besonderes Kompliment machte sie Rektor Bauß.

Lehrerin Sandra Fischer lobte in ihren Abschiedsworten die Schüler, die gezeigt hätten, was sie können und was sie ungerecht finden. Christian Hemmert, Lehrer der 10. Klasse, erzählte eine Geschichte von 25 Dorfkindern aus der Rhön, mit denen er im Escape room in Berlin war. Er brachte dabei nicht nur seine Schüler als Insider, sondern auch sich selbst zum Lachen. Lustig baute er die Namen der 25 Schüler á la Willy Astor in seine Geschichte ein und endete mit der Feststellung „War ‘ne geile Zeit, macht‘s gut.“

Abschiedsworte sprachen auch die Klassensprecher Jessica Zadel, Julia Diemer und Normen Christ. Die letze Rede hielt Beatrix Kümmeth und bedachte Christian Hemmert mit einem selbst gereimten Gedicht.

Mit Beatrix Kümmeth, Lea Kruthof, Sami Kharmann und Asli Gasimova wurden vier Schüler ausgezeichnet, die als Klassenbeste abgeschnitten hatten. Besonderen Applaus bekamen Sami und Asli, die erst seit zwei Jahren in Deutschland sind.

Egon Bauß dankte den vier scheidenden Lehrern für ihre Arbeit. Und dann verabschiedete er sich selber: 42 Dienstjahre gehen damit für ihn zu Ende. Er dankte den Lehrern und Heike Werner aus dem Vorzimmer „für die traumhafte Unterstützung“.

 

Text: Brigitte Gbureck

Bilder: Simone Haupt