Nach 14 Jahren als Vorsitzender des Schulverbandes Mittelschule Mellrichstadt war es am Montagabend an Eberhard Streit, an der Udo-Lindenberg-Mittelschule seinen Hut zu nehmen. Und damit Abschied von einer Schule, „wo ohne Eberhard vieles nicht so wäre, wie es ist“, lobte Rektor Achim Libischer. Und das fängt schon bei der Namensgebung an: Von Eberhard Streit gab’s für die Schulleitung immer Rückenwind.

„Meine Aufgabe heute ist kurz und überschaubar.“ Neu-Pensionär Eberhard Streit bekommen die großen Ferien sichtlich gut. Entspannt und mit launigen Worten ließ der langjährige Vorsitzende die vergangenen 14 Jahre noch einmal Revue passieren, ehe er zu seiner letzten Amtshandlung überleitete: Der Wahl seines Nachfolgers an der Spitze des Schulverbands Mellrichstadt.

Es seien spannende Jahre gewesen, so Streit, in denen die Mittelschule nach der energetischen Sanierung so bunt geworden sei, wie sie jetzt ist. Gemeinsam hatten der damalige Rektor Egon Bauß und Achim Libischer die Idee „ausgeheckt“, der Schule den Namen „Udo-Lindenberg-Mittelschule“ zu geben. Eine nach Meinung von Streit gute Idee, die allerdings hohe Wellen geschlagen hat. Gegenwind blieb nicht aus. Doch hat sie dafür gesorgt, dass aus der Bildungseinrichtung eine „auch innen bunte Schule“ wurde, die heute einen tadellosen Ruf genießt, was die hohen Übertrittszahlen belegen. Die Mittelschule Mellrichstadt habe ihm stets am Herzen gelegen, versicherte Eberhard Streit, verbunden mit der Hoffnung, dass das Haus zum Wohle der Schüler in guten Händen bleibt. Und davon darf man nach den harmonischen Neuwahlen ausgehen.

Mit Michael Kraus steht weiterhin der 1. Bürgermeister der Stadt Mellrichstadt dem Schulverband Mittelschule vor. Dieser dankte für das Vertrauen und übernahm das Ruder, um die Anzahl seiner Stellvertreter zu bestimmen. Anklang fand der Vorschlag von Steffen Malzer, dass alle drei Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaften im Streutal – der Größe nach geordnet – das Führungstrio bilden. Einstimmig wurden Steffen Malzer (Ostheim) zum zweiten und Michael Schnupp (Fladungen) zum dritten Vorsitzenden gewählt. „Diese Achse von Mellrichstadt bis Fladungen zeugt von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl im Streutal“, freute sich Kraus.

Problemlos ging auch die Besetzung des Rechnungsprüfungsausschusses vonstatten, der sich wie folgt zusammensetzt: Florian Liening-Ewert (Bürgermeister Hendungen, Vorsitzender), Tobias Seufert (Bürgermeister Bastheim, stv. Vorsitzender), Stefan Kießner (Bürgermeister Oberstreu), Sabine Buß und Sabrina Sum-Dietz (Stadträtinnen Mellrichstadt). Stellvertreter sind die Gemeindechefs Martin Link (Stockheim) und Thomas Fischer (Nordheim).

Nachdem die Versammlung die Abschlusszahlen der Jahresrechnung 2018 zur Kenntnis genommen hatte, stellte Kämmerin Janine Schauk die Eckdaten des Haushaltsplans 2020 vor. Dieser schließt im Verwaltungshaushalt in den Einnahmen und Ausgaben mit 637.100 Euro und im Vermögenshaushalt mit 321.600 Euro ab. Das Umlagesoll zur Finanzierung von Ausgaben im Verwaltungshaushalt wird für das Haushaltsjahr 2020 auf 384.200 Euro festgesetzt und auf die Mitglieder des Schulverbandes umgelegt. Hierfür wurde die Schülerzahl von 306 (Vorjahr: 329) zum Stichtag 1. Oktober 2019 zugrunde gelegt. Resultierend aus der gesunkenen Schülerzahl ergibt sich eine höhere Verwaltungsumlage in Höhe von 1.225,56 Euro (Vorjahr: 1.120,06) je Verbandsschüler.

Aufgrund der Corona-Krise wurde für notwendige Ausgaben für Desinfektionsmittel und zur Einhaltung der Hygienevorgaben eine neue Haushaltsstelle mit einem Betrag von 2.500 Euro eingeplant, verbunden mit der Hoffnung „dass wir die im nächsten Jahr wieder streichen können“, so Schauk.

Für den Ausbau des Digitalen Klassenzimmers profitiert die Mittelschule von den Förderprogrammen Digitalbudget und (neu aufgelegt) Digitalpakt Schule. Aufgrund der Corona-Krise wurde zusätzlich „ganz frisch“ ein Sonderbudget für Leihgeräte in Höhe von 16.631 Euro bereitgestellt. Dabei handelt es sich um eine 100-prozentige Förderung, die nicht zurückgezahlt werden muss, erläuterte Schauk: „Ein tolles Angebot, das wir gerne nutzen“, wobei die Beschaffungen bis 31. Juli 2020 erfolgen müssen. Dies geschieht in enger Absprache mit der Schulleitung.

Mit der Pausenhof-Neugestaltung wurde im letzten Jahr mit einem Projekt begonnen, dann ganz oben auf der Wunschliste steht, denn den Schülern fehlen Beschäftigungsmöglichkeiten im Freien. Die Lehrer regten an, einen Activity-Bereich, einen Bewegungs- und Slackline-Parcour und eine Boulderwand aufzubauen. Um das Außengelände sinnvoll und vor allem sicherheitstechnisch einwandfrei zu gestalten, war eine Überplanung notwendig. Für die Neugestaltung der Außenanlage wurde im Haushaltsplan 2020 ein entsprechend hoher Ansatz von 183.000 Euro gebildet.

Damit die Schüler am Wendehammer nicht Wind und Wetter ausgesetzt sind, sind 30.000 Euro für ein Busunterstellhäuschen im Investitionsplan für 2021 vorgesehen, ebenfalls ein Herzenswunsch der Schulleitung. Zu prüfen ist noch, ob sich der Landkreis als Sachaufwandsträger des benachbarten Martin-Pollich-Gymnasiums an den Plänen beteiligt und hier man gemeinsame Sache machen kann. Ebenso wie der Haushaltsplan 2020 wurde auch das Investitionsprogramm für die Jahre 2019 bis 2023 einstimmig vom Gremium abgesegnet.

Gespannt lauschte dieses zuletzt dem Bericht von Rektor Achim Libischer über ein Schuljahr, das aus seiner Sicht gut begonnen hatte. Die 342 Schüler, aufgeteilt in 17 Klassen, waren „gut unterwegs“ auf Klassenfahrten und Exkursion, beim Weihnachtsmarkt in Ostheim bereicherten Schulband und Schulchor das Programm mit einem Konzert in der St. Michaels-Kirche sowie auf der Bühne im Schlößchen. Beste Werbung für die Schule waren auch der Sieg beim „Planspiel Börse“ der Sparkassen und der Projekttag „Cybermobbing“.

Mitten in die Vorbereitungen für den „Tag der offenen Tür“ platzte Corona und mit dem Virus die Schulschließung ab 13. März. „Wir sind strümpfig in die Geschichte reingegangen, haben uns aber reingekämpft“, so Libischer. Schule ohne Schüler sei „total seltsam“ gewesen, schließlich bedeute der Lehrerjob nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch die Pflege sozialer Kontakte. Beim Home-Schooling hätten sich Probleme aufgetan, was das fehlende technische Equipment zuhause anbelangte. Mit „Bringdiensten“ wusste man sich zu helfen.

Und auch ansonsten seien die Kollegen in der Corona-Krise kreativ geworden, angefangen von einer Kräuterschnecke vor dem Schulhaus über den Dreh von eigenen Lernvideos bis hin zum Projekt „Masken für Kenia“, bei dem 3.000 Euro zusammenkamen, um die Not in der Partnerschule „St. Josephs House of Hope“ zu lindern (wir berichteten). Konrektorin Melanie Dotzer stellte das Projekt vor und bat um weitere Spenden. Schließlich reichte das Geld gerade einmal drei Tage, um rund 700 hungernde Familien mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Beginnend mit den Abschlussklassen ist der Unterricht Ende April schrittweise wieder angelaufen. Inzwischen sind die ersten Prüfungen geschrieben und „gut gelaufen“, freute sich Libischer: „Wir sind zuversichtlich, dass das gut funktionieren wird.“ Den Lohn ihrer Arbeit, sprich die Abschlusszeugnisse, erhalten die Absolventen, aufgeteilt in zwei Gruppen (9. und 10. Klassen getrennt), am 21. und 22. Juli bei der Verabschiedung unter freiem Himmel auf dem Schulgelände.

Libischers Blick in die Zukunft fiel positiv aus: „Wir alle haben die Normalität des Schulalltags erst wieder richtig zu schätzen gelernt. Die Kinder sind gut drauf, im Schulhaus geht es entspannt und ruhig zu. Was allerdings auch an den Masken liegen können.“ Nur einer wird der Udo-Lindenberg-Mittelschule in Zukunft fehlen: Eberhard Streit, den der Schulleiter als einen „Glücksfall“ bezeichnete, sei dieser doch „positiv verrückt genug“ gewesen, Dinge mitzutragen, von denen andere lieber die Finger gelassen hätten. Verrückte Ideen, die laut Eberhard Streit von einem kreativen Team mit Leben gefüllt werden: „Macht weiter so! Dann lassen euch auch die Neuen nicht im Stich!“

Aller guten Dinge sind drei im Vorstandsgremium des Schulverbands Mittelschule Mellrichstadt: (von links) Michael Schnupp (3. Vorsitzender), Konrektorin Melanie Dotzer, Michael Kraus (Vorsitzender), Rektor Achim Libischer, Steffen Malzer (2. Vorsitzender) und der ausscheidende Eberhard Streit.

 

Text und foto: Streutal-Journal / Carmen Hahner