Was lange währt, wird endlich gut. Bereits vor über zwei Jahren hat die Schülerfirma Technik der Udo-Lindenberg-Mittelschule Mellrichstadt damit begonnen, für die Stadt Mellrichstadt eine eigene Weihnachtskrippe zu bauen. Das sehr umfangreiche Projekt, welches zwischenzeitlich vom Corona-Virus ausgebremst wurde, kam nun pünktlich zur Adventszeit zum Abschluss. Das wirklich sehenswerte Krippen-Ensemble kann ab sofort im Schaukasten am Parkplatz hinter dem Bürgerhaus in Mellrichstadt bestaunt werden.

Rückblick: Bereits vor drei Jahren fertigte die Praxisklasse der Udo-Lindenberg-Mittelschule eine Weihnachtskrippe an, die der Stadt Mellrichstadt als Leihgabe überlassen wurde. Zu sehen war diese am Roßmarkt im Fenster der ehemaligen Metzgerei Ohibsky.

Daraufhin kam der Schülerfirma Technik unter Leitung von Fachoberlehrer Manuel Wengel der Einfall, für den Verein „Aktives Mellrichstadt“ eine eigene große Weihnachtskrippe anzufertigen. Mühelos gelang es der Schülerfirma, „am“-Geschäftsführerin Brigitte Proß für diese Idee zu gewinnen. Man kam also in’s Geschäft, könnte man sagen – denn in Anlehnung an reale Unternehmen werden in einer Schülerfirma Produkte oder Dienstleistungen geplant, hergestellt und gegen Geld verkauft. 

Die Fertigungsmaterialien und Löhne wurden durch den Verkauf von Anteilsscheinen in Höhe von 25 oder 50 Euro zusammengetragen. Dazu wurden einige Schüler bei Firmen und Gewerbetreibenden vorstellig, um Anteilnehmer zu gewinnen. Diese Form der Finanzierung ist kaufmännische Aufgabe dieses Schulprojekts und setzt voraus, dass die Schülerfirma auch tatsächlich etwas anzubieten haben. Was ja tatsächlich auch der Fall war. Die Namen aller Sponsoren bzw. Spender sind auf hölzernen Schildern rund um das Krippenensemble nachzulesen.

Beteiligt waren Schüler der 8. und 9. Jahrgangsstufe, die sich freiwillig in der Schülerfirma Technik engagieren – und das nicht während des Unterrichts, sondern ausschließlich in der Freizeit.

Nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen wir: Ein viel zitierter Satz, der an der Udo-Lindenberg-Mittelschule immer wieder mit Leben gefüllt wird. Wie Techniklehrer Manuel Wengel betont, hat das Ganze den Schülern obendrein riesigen Spaß gemacht: „Die Schüler waren sehr engagiert und motiviert bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen. Oft waren es sehr knifflige Situationen, die gemeistert werden mussten. Teamgeist, Kommunikation, Ausdauer und Fleiß waren während des Fertigungsprozesses ständige Wegbegleiter.“ Tugenden, die den jungen Menschen auf ihrem weiteren Lebensweg immer wieder abverlangt werden.

Zum Schluss wurde es dann sogar noch richtig stressig, da man die dem „Aktiven Mellrichstadt“ versprochene Weihnachtskrippe unbedingt noch in diesem Jahr übergeben wollte. Am Ende aber, so Wengel, habe alles noch sehr gut geklappt. Wobei er den Schülern, soweit möglich, nicht allzu viel vorgegeben, sondern sie zum selbstständigen Handeln ermutigt hat. „Vieles muss durch Versuch und Irrtum ausprobiert werden – für die Schüler ein guter Weg zum Lernen“, so der Pädagoge.

Die Schülerfirma wurde damit beauftragt, 1,4 Meter hohe Krippenfiguren mit dem dazugehörigen Stall zu fertigen. Neben der Heiligen Familie wurden drei Schäfer, vier Schafe, Ochs und Esel und die Heiligen Drei Könige in Auftrag gegeben. Als Material dienten Massivholzstämme vom Mellrichstädter Forst sowie Massivholzbretter vom Sägewerk Hahn. Entstanden ist ein echtes Schmuckstück, das vor wenigen Tagen von der Schülerfirma an Brigitte Proß und Anja Reder vom Verein „Aktives Mellrichstadt“ übergeben wurde – Auftrag erfolgreich ausgeführt!

Neben Techniklehrer Manuel Wengel unterstützte auch Schulsozialpädagoge Martin Beck die Schüler tatkräftig, etwa wenn es um gefährliche Arbeiten mit der Kettensäge ging. Fachlehrerin Linda Eisenmann und Fachoberlehrerin Ingrid Volkheimer nähten die tollen Kostüme für die Figuren. Wer dieser Tage durch die Mellrichstädter Innenstadt schlendert, sollte es sich nicht entgehen lassen, die Weihnachtskrippe zu besuchen und zu bestaunen.

„Der Stolz in den Augen der Schüler ist unbeschreiblich“, freut sich Techniklehrer Manuel Wengel. Schließlich haben sie mit ihren eigenen Händen etwas erschaffen, was in unserer schnelllebigen Zeit von Dauer ist. Sein Lob hat er in folgende Worte verpackt: „Eines Tages könnt ihr mal euren Kindern die große Weihnachtskrippe zeigen und erzählen, wie es war, diese zu fertigen.“

 

 

TEXT: Carmen Hahner – Streutaljournal